2. Georg Rendl Symposion "Priester-Mistbeete"
Priesterberufungen im deutschen Sprachraum
St. Georgen bei Salzburg 7.- 10. Oktober 2004
Leitung: Dr. Andreas Maislinger


Franz Andreas Kardinal Frühwirth


Franz Frühwirth wurde am 21, August 1845 in Aigen als Sohn des Landwirteehepaares Frühwirth, vulgo Schmiedl, geboren. Die ersten fünf Kinder des Ehepaares Frühwirth waren übrigens bald nach ihrer Geburt gestorben, zusammen mit Franz wuchsen sein Bruder Anton (geb. 1838), der später ebenfalls Priester werden sollte, und seine Schwester Josepha (geb. 1841) auf. Nach dem Besuch der Volksschule in St, Anna kam Franz Frühwirth am Ende des Jahres 1855 in die Schule nach Graz, zuerst ins Ferdinandeum, dann in das
Fürstbischöfliche Knabenseminar.

Während seiner Mittelschulzeit im Knabenseminar kam er durch einen Mitschüler mit dem Dominikanerkonvent in der Münzgrabenstraße in Kontakt, und diese Begegnung mit dem Orden des hl. Dominikus sollte sein weiteres Leben prägen. Am 13. September 1863 wurde Franz Frühwirth unter sejnem Ordensnamen (Frater) Andreas in den Orden der Dominikaner aufgenommen.

Nach den philosophisch-theologischen Studien in Graz wurde Frater Andreas Frühwirth am 5. Juli 1868 zum Priester geweiht und zur Vervollständigung seiner Ausbildung in die damalige Zentrale des Dominikanerordens nach Rom geschickt, wo er 1870 die Lehrbefähigungsprüfung des Dominikanerordens (das Lektorat) mit ausgezeichnetem Erfolg bestand.

Nach seiner Rückkehr nach Graz wurde Frühwirth vom Orden vorerst als Lehrer eingesetzt., bis ihn seine außergewöhnlichen Fähigkeiten – neben seinen wissenschaftlichen Kenntnissen auch im wirtschaftlichen, organisatorischen und juristischen Bereich - sehr bald sukzessive an die Spitze des Ordens führten.

Im Alter von erst 31 Jahren verließ Andreas Frühwirth Graz und damit seine engere Heimat, weil er zum Prior des Wiener Konvents (1876-1880) und dann sogar zum Provinzial der damaligen Reichsprovinz (1880-1884) erwählt wurde. Nach einer kurzen Unterbrechung, die Frühwirth nutzte, um zum höchsten wissenschaftlichen Grad im Dominikanerorden, zum Magister Sancti Theologiae, zu promovieren, wurde er wiederum kurz Prior in Wien und im Jahr 1890 zum zweiten Mal Provinzial.

Bereits ein Jahr später erreichte Andreas Frühwirth das höchste Amt, das er als Dominikanermönch ausüben konnte. Nach dem Tod seines französischen Vorgängers wurde er am 19. September 1891 vom Generalkapitel in Lyon (Frankreich) zum Ordensgeneral gewählt und wurde damit für alle Dominikanerkonvente auf der ganzen Welt verantwortlich. Von diesem Zeitpunkt an lebte Andreas Frühwirth in Rom. Nach seiner zwölfjährigen Amtszeit, die in allen Berichten als eine besonders fruchtbare gilt, blieb Frühwirth in Rom, wo er den letzten Aufstieg in der kirchlichen Hierarchie erleben sollte.

Im Jahr 1907 wurde Frühwirth von Papst Pius X. zum Apostolischen Nuntius (= ständiger Vertreter des Papstes bei einer Regierung irn Rang eines Botschafters) von München und zugleich zum Titularerzbischof von Heraklea ernannt. Nach fast neunjähriger Tätigkeit in München erfolgte dann am 6. Dezember 1915 die Ernennung zum Kardinal durch Papst Benedikt XV.

Als Kurienkardinal hatte Frühwirth vielfältige Aufgaben in Rom zu erfüllen, die besondere Fürsorge des Kardinals aus St. Anna aber galt Heilig- und Seligsprechungsprozessen. Seinen größten Erfolg in dieser Hinsicht war die Kanonisierung (Heiligsprechung) des deutschen Bischofs Albertus Magnus, der nach jahrelangen Bemühungen von seiten Kardinal Frühwirths irn Jahr 1931 von Papst Pius XI. heiliggesprochen wurde.

Im Jahr 1924, im Alter von 79 Jahren, kam Kardinal Frühwirth das letzte Mal nach St. Anna, als er sich anlässlich der Einweihung des Linzer Domes als päpstlicher Legat in Österreich aufhielt. Auf der Heimreise nach Rom besuchte der Kardinal u. a. sein Geburtshaus in Aigen und wurde von allen neun Gemeinden der Pfarre St. Anna zum Ehrenbürger ernannt.

Ab 1930 studierte der St. Annarer Anton Lippe in Rom, und diesem gelang es in vielen Gesprächen, den Kardinal und seit 1927 auch Kanzler der heiligen Kirche davon zu überzeugen, daß er sich in seiner Heimatpfarre begraben lassen wolle. Kardinal Frühwirth bekam die dazu erforderliche Bewilligung des Papstes, obwohl es damals nicht üblich war, Kurienkardinäle außerhalb von Rom zu bestatten.

Im Jänner 1933 erkrankte Kardinal Frühwirth. Die anfangs harmlos erscheinende Erkältung weitete sich zu einer Herzschwäche aus, bald zeigte sich auch das Nierenleiden wieder, an dem der Kardinal einige Jahre zuvor gelitten hatte.

Andreas Kardinal Frühwirth stirbt am 9. Februar 1933 um 0.30 Uhr in seiner Wohnung im Palast des Hl. Off'iziums in Rom.

Das offizielle Requiem der heiligen Kirche fand am 13. Februar in der Basilika Santa Maria sopra Minerva im Beisein von 18 Kardinälen, vielen Bischöfen und dem ganzen diplomatischen Korps in Rom statt.

Am frühen Abend wurde die Leiche des Kardinals zum römischen Bahnhof in den Galawagen des Königs von Italien gebracht und kam am nächsten Morgen in Bruck an der Mur an. Dort wurde der Sarg in einen Totenwagen gelegt und nach Graz geführt, wo vor dem Dom eine weitere kurze Verabschiedung stattfand.

Anschließend bewegte sich der Zug mit den prominenten Trauergästen (u. a. Bundespräsident Miklas, Bundeskanzler Dollfuß, Erzbischof Innitzer von Wien, Fürstbischof Pawlikowski von Seckau, Bischof Gföllner von Linz und Bischof Tomasic von Marburg) über Kalsdorf, Wildon, Leibnitz, Mureck und Halbenrain nach St. Anna, wo vor dem Geburtshaus des Toten kurz angehalten wurde.

Nach dem zweistündigen Totenamt in der Kirche erfolgt die provisorische Beisetzung des Kardinals in der Friedhofskapelle. Im September 1933 wird der Sarg in die inzwischen errichtete Gruft in der Pfarrkirche übertragen, wo der Kardinal zwischen Hochaltar und Volksaltar seine letzte Ruhe gefunden hat den hat.

Neben mündlichen Informationen dienten folgende Artikel und Bücher als Grundlage für die vorstehenden Ausführungen:

St. Anna am Aigen. Gedenkschrift zum ersten hundertjährigen Jubiläum von Leopold Schuster, ed. und erweitert von Franz Stradner, Graz 1938.

P. Angelus Walz, Andreas Kardinal Frühwirth, Wien 1950.

Andreas Kardinal Frühwirth, ein Mann der Vorsehung, P. Sadok Szabo O. P., Wien, S.126- 159. In: St. Dominikus-Kalender, Wien 1934.

Analecta sacri ordinis Fratrum Praedicatorum, Volumen XXI, Aprilis-MailIs 1933, Anno 41, Rom 1933, S.97-117.

Historisch-topographische Beschreibung der Pfarre St. Anna am Aigen, beginnend um das Jahr 1820 (diverse Eintragungen).

Andreas Kardinal Frühwirth, Bericht über die Beisetzung im Grazer Volksblatt. Nr.39, 16. Februar 1933, 66. .Jahrgang, "Der tote Kardinal daheim", S. 3/4 (Beilage in der Pfarrchronik).


 
 st. georgen
 aktuell
 programm
 anmeldung
 archiv
 sponsoren
 links
 kontakt
 geistliche berufungen
 georg rendl
 rendl- jahr 2003
 rendl- gesellschaft
 start
 english
 
Seitenanfang