Pfarre Vorderweissenbach
Dechant P. Petrus Mittermüllner


Innsbruck, 19. September 2002

Lieber Pater Petrus,

vielen Dank für das offene Telefongespräch über die Entwicklung in Ihrer Pfarrgemeinde.Bei meiner Suche nach Gemeinden mit überdurchschnittlich vielen Priestern wurde mir mehrmals Vorderweissenbach genannt. Einer hat es als "Mistbeet" für den Priesternachwuchs in der Diözese Linz bezeichnet. Ich bin 1955 in St. Georgen bei Salzburg geboren. Schon als Kind wurde ich auf die
vielen Priester aus unserer Gemeinde aufmerksam. Nachdem in den letzten Jahren das Thema Priestermangel die Diskussionen inner- und außerhalb der Kirche beherrscht, wollte ich der Frage nachgehen, welche Bedingungen gegeben sein müssen, damit sich aus einer Pfarre so viele junge Männer zum Priesteramt berufen fühlen. Hätten alle anderen Pfarrgemeinden vergleichbarer Größe in den 90er Jahren auch drei Priester hervorgebracht, hätte die Kirche keinen Priestermangel sondern eine Priesterschwemme. Sie haben in unserem Gespräch ein zentrales Motiv für den Priesternachwuchs in ländlichen Gemeinden genannt. Über Jahrhunderte bietete das Priesteramt eine Aufstiegsmöglichkeit. Der Pfarrer stand im Ansehen meist über dem Bürgermeister und den anderen angehörigen
der Dorfelite. Für den begabten Sohn einer Magd oder eines kleinen Bauern war es (fast) die einzige Möglichkeit eine höhere Schule zu besuchen und zu studieren. Ihrer Meinung nach ist das ein wesentlicher Grund für das Austrocknen des Priester-Mistbeetes Vorderweissenbach.

Die vielen Gespräche mit Priestern, Theologen und Kirchenzeitungs-Redakteuren haben mir das große Interesse an der von mir geplanten Tagung über Priester-Berufungen bestätigt. Bischof Dr. Alois Kothgasser hat mir zugesagt am 4. Oktober 2003 das Einleitungsreferat zu halten. Bischof Kothgasser stammt aus St. Stefan im Rosenthal, einer Gemeinde mit hohem Priesteranteil. Der Bischof von Innsbruck wird jedoch nicht nur über seine eigene Berufung und die Bedingungen in seiner Heimatgemeinde sprechen. Als in der Europäischen
Bischofskonferenz für Berufungen zuständiger Bischof wird er uns auch einen internationalen Überblick über den Priesternachwuchs geben können.
Es würde mich sehr freuen, wenn ich Sie in den nächsten Wochen in Ihrer Pfarre besuchen dürfte. Vielleicht besteht auch eine Möglichkeit mit mehreren aus Vorderweissenbach stammenden Priestern über ihre Berufung zu sprechen? Ich hoffe sehr, dass Sie und einige Ihrer Priester-Kollegen an der Tagung teilnehmen werden. Neben den drei Gemeinden St. Georgen bei Salzburg, St. Stefan im Rosenthal und Vorderweissenbach suche ich noch eine oder zwei "Priester-Mistbeete" im angrenzenden Bayern. Im Gespräch mit dem Chefredakteur der Salzburger Kirchenzeitung "Rupertusblatt" Karl Roithinger ist die Idee
entstanden Theologie-Studenten für das Thema zu interessieren. Diese könnten im Rahmen einer Diplomarbeit die betreffenden Pfarreien besuchen und Interviews führen.

Verehrter Herr Dechant, nochmals herzlichen Dank für das offene Gespräch. Ich freue mich sehr auf unsere persönliche Begegnung!


Beste Grüße aus Innsbruck
Andreas Maislinger

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